Zeitgenosse des Schreibers der Handschrift C des Nibelungenliedes ist der Propst des Wormser Domstifts Nibelungus. Er war in dieser Amtsfunktion 20 Jahre, von 1223 bis 1242 tätig. Im Jahr 1234 fertigte er eine Urkunde über den Verkauf von Gütern in Sulzen, wohl Hohensülzen durch den Abt von Kloster Hirsau aus, die überliefert ist.

Propst NNibelungus entstammt einer Adelsfamilie, die im 12. und im 13. Jahrhundert im Wormser Raum reich begütert war. Weltliche Angehörige standen als Ministeriale im Reichsdienst, geistliche bekleideten hohe Würden in der Bischofsstadt. So war 1140 ein Vorfahre des genannten Dompropstes gleichen Namens thesaurarius, Schatzmeister des Wormser Domstifts und Propst des Stiftes St. Paul in Worms. Sein Amt des vicedominus, des Stellvertreters des Wormser Bischofs Konrad von Steinach ist für das Jahr 1154 urkundlich belegt.  Dieser Nibelungus war auch der Stifter eines Umbehangs, eines Bilderteppichs im Wormser Dom, dessen Inschrift überliefert ist.

Die Familie der Nibelungen kann ihre Vorfahren bis zum Grafen Nibelung von Burgund zurückverfolgen, der im Jahr 751 die fränkische Geschichtsschreibung von seinem Vater Hildebrand übernahm. Hildebrand ist der Halbbruder von Karl Martell.

Die französischen Nachfahren der Nibelungen waren an den Kreuzzügen ins Heilige Land intensiv beteiligt. Einer von ihnen, Névelon, der Bischof von Soissons, besuchte auch Worms. Dort verhandelte er 1198 mit König Philipp von Schwaben über ein Bündnis gegen den Konkurrenten Otto IV. und dessen Onkel Richard Löwenherz. Névelon führte danach den Kreuzzug an, der 1204 mit der Eroberung und Plünderung von Konstantinopel endete. Ist das Nibelungenlied eine Kreuzzugsgeschichte? Auch Siegfried trug das Kreuz.

 

Das Nibelungenlied ist nicht im Original überliefert. Die älteste Handschrift C ist wie die jüngeren A und B eine Abschrift des verlorenen Originals. Dessen schriftliche Abfassung wird um 1200 vermutet. Paläografisch ist die Entstehung Handschrift C auf ca 1230 festgelegt. Bei dieser Abschrift, der ästhetisch ansprechendsten und umfangreichsten, stellten sich folgende Forschungsfragen:

  • Wer war der Auftraggeber?
  • Welche Motive hatte er, mit der teuren Abschrift einen Schreiber zu beauftragen?
  • Wie konnten Auftraggeber und Schreiber auf die Vorlage zugreifen?
  • Wo wurde die Abschrift angefertigt?
  • Wer war der Schreiber?
  • Welches Publikum sollte die Abschrift erreichen?

Ein wesentlicher Teil dieser Fragen kann nunmehr beantwortet werden. Der Schriftenvergleich von Urkunden der pfalzgräflichen Kanzlei des Herzogs von Bayern Ludwig I. und dessen Sohn Otto II. mit der Handschrift C ergibt: Urkunden und Epos sind von derselben Schreiberhand verfasst. Der Schreiber ist der Heidelberger Protonotar des Pfalzgrafen mit Namen Konrad Losenaph. Er ist zwischen 1216 und 1250 in den pfälzischen Urkunden nachweisbar und entstammt einer bayrischen Ministerialenfamilie. Als Ort der Abschrift kommt das Skriptorium in Heidelberg in Frage. Pfalzgraf Otto II. nennt Konrad 1231 Chunrat unser notari von Haidelberckh. Ebenfalls hat Konrad einige Urkunden zugunsten des Pfalzgrafen-Klosters Schönau niedergeschrieben. Den Liedtext konnte er von den Herren von Steinach erhalten. Konrad Losenaph ist zusammen mit Konrad von Steinach am Hof  Heidelberg nachzuweisen. Konrad von Steinach und Bligger von Harfenberg sind die Söhne Bliggers II. von Steinach. Dessen von Gottfried von Straßburg und Rudolf von Ems gerühmtes Epos, der Umbehanc, ist wohl das verlorene Original des Nibelungenliedes.

Die Motive des Pfalzgrafen Otto II., die Abschrift des Nibelungenliedes zu finanzieren, können mit dem Mord an seinem Vater Ludwig auf der Brücke in Kehlheim 1231 zusammenhängen. Als Auftraggeber hierzu wird schon von Zeitgenossen König Heinrich (VII.) bzw. Kaiser Friedrich II. vermutet. Dieser Mord kann mit dem im Nibelungenlied in Verbindung gebracht werden. Siegfried ist der Leitname der Pfalzgrafen. Schon einmal, 1113, war ein Pfalzgraf Siegfried durch einen Vasallen des Königs erschlagen worden.

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