Dichtung und Wahrheit: Das Harfenwappen Bliggers von Steinach

März 9, 2010

Bligger von Steinach II. gilt für mich als Dichter des Nibelungenliedes, das sein Zeitgenosse Gottfried von Straßburg als Umbehanc, als literarischen Bilderteppich bezeichnet. In seinem etwa 1210 entstanden Epos Tristan und Isolde würdigt Gottfried Bliggers Werk u.a. mit folgenden Worten (4703 – 4707): sîn zunge, diu die harphe treit, diu hât zwô volle saelekeit: daz sint diu wort, daz ist der sin: diu zwei diu harphent under in ir maere in fremeden prîse.

Die Forschung erklärt einhellig regional und überregional, Gottfried spiele hier auf das Harfenwappen Bliggers II. an. Diese Behauptung ist falsch.  Der erste konkrete Nachweis des Harfenwappens ist das Siegel  Hertwichs von Steinach an einer Urkunde des Jahres 1275. “Das Schildsiegel Hertwichs von Steinach ist das einzige erhaltene Siegel der Herren von Steinach, deren Stammsitz Neckarsteinach bei Heidelberg war. Es zeigt als Wappenbild eine Harfe mit 9 Saiten. (…) Das Siegel bietet somit den einzigen überzeugenden Beweis, daß die Herren von Neckarsteinach tatsächlich das in den Liederhandschriften B und C Bligger zugelegte Wappen geführt haben.”(Codex Manesse, Katalog zur Ausstellung 1988, S. 148 f.)

Der Sohn des Dichters Bliggers II. Bligger III. ist Zeuge einer Urkunde König Heinrichs (VII.), 1223 neben seinem Bruder Konrad von Steinach erstmals Bligger von Harfenberg genannt. Burgname und Wappen sind somit erst nach dem Ableben Bliggers II. (etwa 1210) entstanden und scheinen dessen Dichtung, den Umbehanc bzw. das Nibelungenlied zu würdigen.

Gottfried wählt, wie später auch Rudolf von Ems, in der Beschreibung von Bliggers Epos den Begriff Umbehanc sowie die Materialien des literarischen Bilderteppichs, Gold, Seide und Borten. Dazu kommt das Motiv der Feen, die das Geschehen auf dem Teppich in ihrem Brunnen sagenhaft veredelt haben. Das Harfenmotiv spielt auf die Stilebene des Werkes, auf das König-David-Geschehen des Alten Testaments an, nicht auf das Wappen von Bliggers Nachfahren, die dessen Helmzier später durch einen Davidkopf ergänzen.

“Weiterhin ist zu fragen, ob Bligger im 12. Jahrhundert schon ein Wappen geführt hat, was angesichts der damals erst allmählich sich ausdehnenden Wappenführung  eher unwahrscheinlich ist.” (Codex Manesse, Katalog zur Ausstellung 1988, S. 149.) Festhalten möchte ich, dass das Epos Bliggers II. von Steinach die Entstehung des redenden Wappens der dem Dichter nachfolgenden  Steinacher Familie  bewirkt hat.

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